10  Rebuilding After the War

Wittenberg, Nützen and Braunschweig, 1945–1953

Figure 10.1: Refugee ID Card, 1981
Figure 10.2: Affidavit: Not a Member of NSDAP, 1946

10.0.1 Sworn Declaration (Eidesstattliche Erklärung)

Eidesstattliche Erklärung!

Hiermit erkläre ich an Eides statt, daß Herr Ewald Rapp, früher wohnhaft in Insterburg, der NSDAP nicht angehört hat. Herr Rapp war Mitglied der dortiger Baptistengemeinde und mir als dem Geistlichen jener Gemeinde gut bekannt.

[Unterschrift] F. Walber, Prediger.

Z.Zt. Endersbach bei Stuttgart, 1. Aug. 1946.

[Stempel: Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland — Gemeinde Insterburg]

Translation: Sworn Declaration! I hereby declare under oath that Mr. Ewald Rapp, formerly residing in Insterburg, did not belong to the NSDAP [Nazi Party]. Mr. Rapp was a member of the local Baptist congregation and is well known to me as the clergyman of that congregation. [Signature] F. Walber, Minister. Currently in Endersbach near Stuttgart, August 1, 1946. [Official Seal: Union of Evangelical Free Church Congregations in Germany — Insterburg Congregation]

Figure 10.3: Rapp Family After War, circa 1948 Front Row (left to right): Wolfgang, Amalie, Manfred, Micheal, Gunter Second Row: Harald, Ewald Standing: Helga?, Florentina?, Marta, Sara?
Figure 10.4: Application to Craft Registry, Braunschweig, 1948

10.0.2 Craft Registry Approval

Handwerkskammer Braunschweig Braunschweig, den 21. Dezember 1948 Kastanienallee 71

Betr.: Antrag auf Eintragung in die Handwerksrolle.

Ihr Antrag auf Eintragung in die Handwerksrolle zur Ausübung des selbständigen Schuhmacher-Handwerks wird hierdurch genehmigt.

Unter Vorlegung dieses Bescheides müssen Sie Ihr Gewerbe bei der Orts- bzw. Stadtpolizeibehörde anmelden. Diese Genehmigung ist gebührenpflichtig. Wir bitten deshalb um Überweisung von RM 20.— innerhalb von 15 Tagen auf das Postscheckkonto Hannover 1015 30 mit dem Vermerk „Gebühr für Handwerksrolleneintragung”.

Obermeister der für Sie zuständigen Innung ist: Schuhmachermeister Otto Söhlig, Braunschweig, Kastanienallee 68.

Handwerkskammer Braunschweig

Herrn Ewald Rapp, Schuhmachermeister, Braunschweig, Wilhelm-Bodestr. 6

Translation: Braunschweig Chamber of Skilled Crafts, December 21, 1948. Subject: Application for entry into the Craft Registry. Your application for entry into the Craft Registry for the practice of the independent shoemaking trade is hereby approved. Upon presentation of this notice, you must register your business with the local or city police authorities. This permit is subject to a fee. We therefore request a transfer of 20 Reichsmarks within 15 days to the Hannover postal check account 1015 30 with the memo “Fee for craft registry entry.” The Senior Master of the guild responsible for you is: Master Shoemaker Otto Söhlig, Braunschweig, Kastanienallee 68.

Figure 10.5: Master Craftsman Certificate, Braunschweig, 1948

10.0.3 Master’s Examination Certificate (Meister-Prüfungs-Zeugnis)

Handwerkskammer Braunschweig

Meister-Prüfungs-Zeugnis

Herr Ewald Rapp, geboren am 1. IV. 1912 zu Minsk U.d.S.S.R., hat heute vor der unterzeichneten Prüfungskommission die Meister-Prüfung bestanden.

Braunschweig, den 25. IX. 1948

Die Meister-Prüfungs-Kommission für das Schuhmacher-Handwerk: Rolf Rose, Vorsitzender [Unterschriften: Otto Söhlig, Walter Wartens, Werner Brandes]

[Siegel: Handwerkskammer Braunschweig]

Translation: Braunschweig Chamber of Skilled Crafts. Master’s Examination Certificate. Mr. Ewald Rapp, born on April 1, 1912, in Minsk, U.S.S.R., has today before the undersigned examination commission passed the Master’s Examination. Braunschweig, September 25, 1948. The Master’s Examination Commission for the Shoemaker Trade: Rolf Rose, Chairman. [Signatures: Otto Söhlig, Walter Wartens, Werner Brandes]

Figure 10.6: Business License, page 1, Braunschweig, 1951
Figure 10.7: Business License, page 2, Braunschweig, 1951

10.0.4 Business License (Gewerbeerlaubnis)

Stadt Braunschweig — Gewerbeamt —

Braunschweig, den 31. März 1951.

Herrn Ewald Rapp, Braunschweig, Grabenstr. Nr. 1

Betrifft: Gewerbeerlaubnis

Auf Ihren Antrag vom 7.11.1950 wird Ihnen hiermit gemäß § 4 des Niedersächsischen Gesetzes über die Zulassung und Schließung von Gewerbebetrieben (Gewerbezulassungsgesetz) vom 29. Dezember 1948 die Erlaubnis zur Errichtung eines Schuhwaren-Einzelhandelsgeschäftes erteilt.

Angegebene Geschäftsstelle: Grabenstraße 1

Die Erlaubniserteilung erfolgt

  1. mit dem ausdrücklichen Hinweis, daß
  1. durch diese Erlaubnis kein Anspruch auf Zuweisung von bewirtschafteten Waren, Energie, Arbeitskräften sowie Wohn- und Gewerberäumen hergeleitet werden kann.
  2. die erteilte Gewerbeerlaubnis nicht zur Führung der bisher verwendeten oder beabsichtigten Firmenbezeichnung berechtigt.

Der Oberstadtdirektor I. A. [Unterschrift] Panzlau, Stadtinspektor

Translation: City of Braunschweig — Business Office — March 31, 1951. Per your application of November 7, 1950, you are hereby granted, in accordance with § 4 of the Lower Saxony Business Licensing Act: the permit to establish a footwear retail business. Specified business location: Grabenstraße 1. The issuance is subject to the express notice that: a) this permit does not establish any claim to the allocation of rationed goods, energy, labor, or residential and commercial space; b) the business license does not entitle the use of the previously used or intended company name. The Chief City Director, By Proxy, Panzlau, City Inspector.

Figure 10.8: Streetcar, Braunschweig

10.1 Topping-Out Ceremony (Richtfest), Grabenstraße 1, October 3, 1950

Figure 10.9: Richtfest Speech, page 1
Figure 10.10: Richtfest Speech, page 2
Figure 10.11: Richtfest Speech, page 3

10.1.1 Transcription

Richtfest Grabenstr. 1. 3. Oktober 1950.

Arbeitskameraden, Verehrte Gäste!

Im Namen unseres Bauherrn, des Schuhmachermeisters Ewald Rapp, heiße ich Sie alle auf das Herzlichste beim heutigen Richtfest willkommen. Und es ist mir eine besondere Ehre, die Vertreter der Stadtverwaltung — Herrn Dipl. Ing. Niehüser, Herrn Schulz und Herrn Oldenbürger vom Stadtplanungsamt, sowie Herrn Hagemeier vom Bauaufsichtsamt — begrüßen zu können. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie ein paar frohe Stunden nach altem Handwerksbrauch verleben werden.

Wenn wir zum Richtfest schreiten, ist bereits ein großer Teil der Arbeit getan. Und nicht zu unrecht begehen wir dieses alte handwerkliche Fest. Ist es doch ein Beweis der Freude, des Bauhandwerkers an dem Gelingen seines Werkes. Auf der anderen Seite ist es ein Dank des Bauherrn an die Handwerker für die Arbeit, die sie geleistet haben.

Es erfüllt uns alle mit einem gewissen Stolz, dass wir gerade mit diesem Bau einem aus unserer Mitte, nämlich einem Handwerker wie die meisten von Ihnen, ein neues Heim fern der alten Heimat schaffen, und ich glaube im Namen Aller zu sprechen, wenn ich unserem Bauherrn wünsche, dass er im Kreise seiner Familie noch viele frohe und glückliche Jahre in seiner neuen Heimat und seinem neuen Heim erleben möge.

…es ist nicht das erste und hoffentlich auch noch lange nicht das letzte Werk, das wir schaffen und das vielen Ausgebombten und Flüchtlingen ein neues Heim und eine neue Heimat gibt.

Wenn auch die Zahl der Wohnungen, die wir hier in gemeinsamer Arbeit schaffen, verschwindend gering ist gegenüber der Wohnungsnot, so können wir doch sagen, dass wieder ein Werk erstanden ist, ein Werkstein gefügt ist in den friedlichen Aufbau unserer deutschen Heimat.

Und dieses Schaffen, diese Aufbauarbeit macht uns Bauleuten soviel Freude. Es ist das Schöne in unserem Beruf, dass alles, was wir schaffen, sichtbar vor uns steht und ein jeder von uns sagen kann: dies ist mein Werk, hier habe auch ich meine Kraft eingesetzt. Und aus diesem gemeinsamen Schaffen Hand in Hand erstand dieses neue Gebäude aus den Trümmern.

Wir wissen noch nicht, was den Menschen, die in ihm wohnen werden, beschieden sein wird. Aber wir alle wünschen von ganzem Herzen, dass Familienglück und Sonnenschein einziehen möge, nicht zuletzt auch zur Freude unseres Bauherrn.

Möge ihm und den Seinen Glück und Segen im neuen Heim in der neuen Heimat beschieden sein.

10.1.2 Translation

Topping-out Ceremony, Grabenstr. 1. October 3, 1950.

Work comrades, honored guests!

In the name of our client, Master Shoemaker Ewald Rapp, I bid you all a most heartfelt welcome to today’s topping-out ceremony. And it is a special honor for me to welcome the representatives of the city administration: Mr. Niehüser (Graduate Engineer), Mr. Schulz, and Mr. Oldenbürger from the City Planning Office, as well as Mr. Hagemeier from the Building Inspection Office. I wish you all a few happy hours spent according to old craftsman tradition.

When we proceed to a topping-out ceremony, a large part of the work is already done. And it is with good reason that we celebrate this ancient craft festival. It is, after all, a testament to the joy of the builder in the success of his work. On the other hand, it is a thank-you from the client to the craftsmen for the work they have performed.

It fills us all with a certain pride that, with this building, we are creating a new home — far from the old homeland — for one of our own: a craftsman like most of you. I believe I speak for everyone when I wish our client that he may experience many more happy and fortunate years in the circle of his family in his new home and new homeland.

…it is not the first, and hopefully far from the last work that we create, providing a new home and a new homeland to many who were bombed out or are refugees.

Even if the number of apartments we are creating here through collective labor is vanishingly small compared to the housing shortage, we can still say that a work has risen again — a stone has been joined into the peaceful reconstruction of our German homeland.

And this creation, this work of reconstruction, brings us builders so much joy. It is the beauty of our profession that everything we create stands visibly before us, and every one of us can say: “This is my work; here, I too have applied my strength.” And out of this shared creation, hand in hand, this new building arose from the ruins.

We do not yet know what fate has in store for the people who will live in it. But we all wish from the bottom of our hearts that family happiness and sunshine may move in, not least for the joy of our client.

May happiness and blessings be granted to him and his family in their new home in their new homeland.

Figure 10.12: Bombed-out Building, Braunschweig, circa 1946
Figure 10.13: Restored Building, Braunschweig, 1951
Figure 10.14: Shoemaker and Son, circa 1952
Figure 10.15: Family in Front of Shop, circa 1952
Figure 10.16: Marta in Front of Shop, circa 1952